Unmittelbar tastet sich Martin Kohlstedt in den Körper aus Holz, Filzhämmern und Stahlsaiten vor. Der junge Komponist aus dem Thüringer Eichsfeld belässt es aber nicht bei einem anonymen Fingerspiel, sondern öffnet sich unaufhörlich mit jeder Bewegung und jedem Anschlag. Jenseits von deutungsschwerer Klassik oder konstruiertem Pathos wird sich hier am reduziert Persönlichen versucht. Kohlstedts Spiel ist keine Inszenierung eines Werkes, sondern das musikalische Gespräch mit seinen Instrumenten selbst. Immer im Dialog mit seiner Umgebung, verliert er schon mal jede Fassung und schlägt über die Stränge. Vor allem auf Konzerten entsteht so eine aggressive Direktheit, die ihn sichtlich verletzbar macht. Das wäre kitschig, stände man nur abseits. Doch Person und Stück argumentieren so scharf, dass man nicht an ihnen vorbeikommt. Das ist Glück im Unglück für uns alle, denn Martin Kohlstedt braucht auch diesen Resonanzkörper, sein Publikum.

Diesen Austausch hat Kohlstedt mit dem Albumpaar ”Nacht” (2014) und ”Tag” (2012) erfolgreich eingefangen, auf zwei dazugehörigen Rework EP’s von anderen Künstlern in Frage stellen lassen und auf seinem eigenen Label ”Edition Kohlstedt” selbst veröffentlicht. Vor seinen Solopfaden bereicherte er mit den Bands Marbert Rocel und Karocel auch immer wieder die Elektrotanzbretter der Welt und vertonte die Bilder internationaler Filmemacher.