Reptile Youth

„Ich glaube, auf diesem Album sind kaum potentielle Hit-Singles.“ So sagt es Reptile Youth-Sänger und Songschreiber Mads Damsgaard Kristiansen – und genau diesen Satz wollte man ja schon immer mal an den Anfang eines Promoschreibens setzen. Umso mehr, wenn der Künstler noch hinzufügt: „Und das ist auch gut so.“ Natürlich ist das zur Steigerung der Aufmerksamkeit aus dem Kontext gerissen und so, wie es hier steht, im Grunde falsch. Denn „Rivers That Run For A Sea That Is Gone“, das zweite Album der Reptile Youth, packt einen von der ersten Sekunde und schleudert einem in seinen 48 Minuten und 11 Sekunden gleich zehn Songs entgegen, die man ruhigen Gewissens als Hits bezeichnen kann. Sie fahren mal direkt in die Beine („River That Run For A Sea That Is Gone“), mal mitten ins Herz („Where You End I Begin“), flimmern einem mal vor den Augen („JJ“) und zerfräsen einem manchmal das Hirn („All The Noise“) – aber immer wecken sie den Wunsch, sich vor eine Bühne zu stellen, auf der Mads und Esben Valløe herumtoben. Und so was nennt man – im strengen Wortsinn – doch einen Hit, oder nicht?

Was Mads aber meinte, war folgendes: „Wir lieben es, mit den Erwartungen zu brechen. Unser Debüt war sehr poppig, obwohl wir wussten, dass die Leute den Punk-Spirit unserer Live-Shows feierten. In den letzten Monaten hörten wir oft, dass wir das Zeug für einen amtlichen Radio-Hit hätten, aber wir wollten diesmal nur die Songs aufnehmen, für die wir auch wirklich brennen. Und wir wollten sie überwiegend live einspielen. Es gab drei oder vier Stücke mit mehr Radio-Potential, als alles, was wir jemals geschrieben haben – aber die haben wir bewusst weggelassen.“ Genau diese Einstellung erklärt auch, warum Mads nicht angepisst war, als Kritiker an ihrem selbstbetitelten Debüt monierten, es habe nicht die raue Kraft ihrer Konzerte einfangen können. „Das wollten wir ja nie. Im Rückblick finde ich es eher schade, dass wir es nicht noch glatter gemacht haben. So saß es irgendwie zwischen den Stühlen. Aber wir sind eher glücklich drüber, dass es diese Reaktion provoziert hat. Unsere Shows waren damals ziemlich umhyped und jeder hat uns vollgelabert, wie punk wir auf der Bühne seien. Also dachten wir uns: Was ist das punkigste, was wir an diesem Punkt machen können? Ein Pop-Album!“

Langweilig wird es mit den beiden Herren also so schnell nicht. Mads Damsgaard Kristiansen und Esben Valløen, die ihre Karriere 2009 unter dem Namen Reptile & Retard begannen und sich weniger später in Reptile Youth umbenannten, wollen es sich nicht in einer Schublade gemütlich machen – und, wie Mads es sehr schön formuliert: „Wir wollen mehr sein als zehn MP3s auf deinem Computer. Deshalb haben wir uns auch damals in Reptile Youth umbenannt. Wir möchten eher als Bewegung wahrgenommen werden, als eine Art Rahmen, in dem vieles passieren kann. Die Reptile Youth sind nicht nur Esben und ich, sondern die Menschen, mit den wir zusammenarbeiten, die Leute, die auf unseren Konzerten sind, die Kunst, die um uns herum passiert.“ Erkennbar wird dieser Spaß an der Kollaboration auch an diesem Album: „Das Artwork stammt von dem südafrikanischen Fotografen Roger Ballen, den viele ja von seiner Arbeit mit Die Antwoord kennen. Im Studio haben wir diesmal mit Jens Benz und Simon Littauer gearbeitet, die wir beide sehr schätzen. Jens ist einer der interessantesten Produzenten in Dänemark zur Zeit. Die aktuellen, wirklich guten dänischen Punkplatten sind von ihm – zum Beispiel das Album von Iceage. Und Simon ist ein guter Freund von uns – er spielt auch bei Broke, mit denen wir auf Tour waren.“ Für das Mixing zeichnet sich Brian Thorn verantwortlich, der schon an Alben wie Bowies „The Next Day“ oder „The Suburbs“ von Arcade Fire mitwirkte, das Mastering übernahm Joe Lambert, in dessen Portfolio Alben wie „Merriwether Post Pavillion“ von Animal Collective oder „High Violet“ von The National zu finden sind.
 
Es gibt aber auch andere, obskure Wege, um Teil des Reptile Youth-Kosmos zu werden. Auf dem Debüt fand sich plötzlich eine junge Dichterin, die Mads in China kennenlernte, als Protagonistin in „Be My Yoko Ono“ wieder, auf „RTRFASTIG“, ist es die erste Single „JJ“, die lyrisch hervorsticht. „Es gibt da diesen Typen, dessen Initialen JJ sind. Er ist seit 22 Jahren schwer drogenabhängig und raucht Heroin. Außerdem ist er seit langem ein Fan von uns. Irgendwie hat er dann meine Mailadresse herausbekommen und angefangen, mir zu schreiben. Verstörende Mails, die brutal und schön zugleich sind. Er ist da wie ein Kind und schreibt ungefiltert, was er denkt. Wir mailen uns seit einer ganzen Weile und irgendwann verriet er mir, dass die längste Drogenpause, die er hatte, acht Tage lang war. Er war damals in einer guten Stimmung und wollte seinen Rekord brechen. Ich versprach ihm, einen Song für ihn zu schreiben, wenn er das schafft. Es wurden am Ende zwölf Tage und wir schrieben uns in dieser Zeit täglich. Deshalb gibt es jetzt ‚JJ’, in dem ich auch einige Zeilen aus seinen Mails verwende.“ Der Kontrast zwischen der hymnischen Komposition, die auf kraftvolle Gitarren über geradezu funkigen Basslines setzt, und den dunklen Lyrics steht Reptile Youth dabei sehr gut. „JJ“ wird Ende Februar erscheinen – mit einem grandiosen Remix von Trentemøller, der die Klangfarbe des Songs sogar noch weiter verdüstert.

Am meisten brennen Mads und Esben aber darauf, ihr neues Material auf die Bühne zu bringen. Und sie werden sich auch mit diesem Album wieder im besten Wortsinn den Arsch abtouren. Schon zum Debüt spielten sie rund 150 Shows auf der ganzen Welt. Mit „RTRFASTIG“ wird es nicht anders sein. „Meine Booker haben mir gesagt, dass ich ab Ende Februar bis Weihnachten kein freies Wochenende haben werde“, sagt Mads und lacht doch tatsächlich dabei. Unglaublich, was dieser Typ für eine Kondition haben muss. Eine Reptile Youth-Konzert ist nämlich kein Stehkonzert – Mads ist auf der Bühne ein blonder Derwisch, der sich das Shirt vom Leib reißt, kopfüber in die Menge springt, sich bisweilen gar auf den Boden wirft und dabei so manisch zuckt, wie es die schnelleren Stücke von Reptile Youth tun. „Es ist großartig, dass wir endlich zwei Alben haben, mit denen wir unsere Show befeuern können. Wir wissen, dass wir live schon jetzt eine Macht sind. Mit diesen Songs könnte es noch besser werden!“
 
 
 
// ENGLISH:


„In my opinion there are barely any potential hits on this album.“ That's what the lead singer and lyricist of Reptile Youth Mads Damsgaard Kristiansen says - and exactly this sentence is what you would always want to read first in a press release, isn't it? Even more so if the artist adds: “And that’s perfectly fine.” Of course that's taken out of its context in order to rise attention, and therefore it's, the way it is presented here, frankly untrue. Because „Rivers That Run For A Sea That Is Gone“, the second album of Reptile Youth, hooks you within the very first seconds, and throughout its duration of 48 minutes and 11 minutes it throws ten songs at you, which can easily be entitled as hits. The record will knock you off your feet („River That Run For A Sea That Is Gone“), hit you straight in the heart („Where You End I Begin“), make it flicker in front your eyes (“JJ”), and sometimes even (if you’re back on your feet again) blow your mind („All The Noise“) – but constantly it creates a desire, a desire to stand in front of a stage on which Mads and Esben Valløe romp around. And that's what you would - with all fairness - call a hit, isn't it?
What Mads meant though was: “We love to break expectations. Our debut-album was very pop although we knew, that people loved the punk spirit of our live shows. In the last months we’ve been hearing a lot, that we’ve got what it takes to score a proper hit on the radio. But all we really wanted this time was to record songs that we are passionate about and also mainly record live in the studio. There were three or four songs that had more air-play potential, than anything we had ever written and recorded so far – but we left those songs out, intentionally.” Exactly this attitude also explains why Mads wasn't upset when critics said about their self-titled debut album that it hadn't been able to capture the rough energy of their live shows. “That’s something we never wanted. In retrospective I am rather gutted, that we didn’t make it even smoother. This way it was somehow always caught in the middle. But we are rather happy that it sparked off this reaction. Back then, our shows were pretty far away from being hyped and everyone was up our asses, telling us how punk we were on stage. So we thought to ourselves: What would bethe most punk thing we could do? A pop album, right?
With these two gentlemen it won't get boring any time soon. Mads Damsgaard Kristiansen and Esben Valløen, who started their musical career in 2009 under the name Reptile & Retard but soon renamed themselves Reptile Youth, wouldn't feel comfortable being pigeonholed at any time, or how Mads puts it: “ We simply want to be more than 10 MP3s on your computer. That’s also why we changed the name to Reptile Youth back then. We would rather be considered a movement, akind of frame within many things can happen. Reptile Youth isn't only Esben and I, but also the people we work with, the people who visit our concerts, the art that happens around us.” This idea is also represented by the numerous collaborations on this album. “The artwork comes from South African photographer, Roger Ballen, who a lot of people know from his work for Die Antwoord. In the recording studio we worked with Jens Benz and Simon Littauer, whose work we both highly appreciate. Jens is one of the most recognised producers in Denmark at the moment. All current Danish high standard punk records are produced by him – the new Iceage-album for example. And Simon is a really good friend of ours. He is also part of Broke, with whom we toured before.” In charge of the mixing was Brian Thorn, who was also responsible for albums such as “The Next Day” by Bowies or Arcade Fire’s “The Suburbs”. The mastering was done by Joe Lambert, in whose career portfolio Animal Collective’s “Merriwether Post Pavillion” and The National’s “High Violet” are also to be found.
But there are plenty of other obscure ways of becoming part of the Reptile Youth universe. On their debut album, a young poet who Mads got to know in China, suddenly found herself the protagonist of “Be My Yoko Ono”. Again on “RTRFASTIG” it is the first single (“JJ”), which stands out lyrically. “There is this guy whose initials are JJ. He has since the age of 22 been a heavy drug addict, smoking heroin. Also, he has been a fan of ours for a long time. Somehow he got hold of our email address, and started writing me. Disturbing emails, which were brutal and beautiful at the same time. He is like a child, and writes, without filter, whatever crosses his mind. We were writing each other emails for a while, and at one point he told me that the longest breaks from drugs he ever had was eight days. He was in a good mood at that time, and wanted to beat his personal record. I promised him that I would write a song about him, if he succeeded. In the end he made it for twelve days, and during this period we wrote each other daily. That is why there is now a song named “JJ” in which I also use some of the lines from our correspondence.” The contrast between the hymnal compositions, from powerful guitars over incredibly funky baselines, and dark lyrics make a lasting impression. “JJ” will be released in the end of February – with a grandiose remix by Trentemøller who darkens the timbre of the song even further.

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