Ja, Panik
Ohne Geld keine Angst, ohne Angst kein Geld.
Es ist der Zaster, der das in Wien angesiedelte Quintett JA, PANIK beschäftigt. Ihr letztes Album „The Taste And The Money“ war nur der Auftakt zu einer der Marie zugewandten Chronologie. Deren nächster und also zweiter Teil liegt nun vor, nennt sich „The Angst And The Money“ und erscheint am 25.09.2009 (schoenwetter Schallplatten). Eröffnet hatte den dahingehenden Reigen „The Taste and The Money“ (2007) – seither wurde die Band mit einer Reihe Lorbeerkränzen aus dem gesammelten Portfeuille der deutschsprachigen Kritikerpresse beworfen.
Hat sich die Band zunächst aus dem beschaulichen Burgenland früh nach Wien abgesetzt, um hier mit „Ja, Panik“ (2006) erste mediale Aufmerksamkeit über die Grenzen hinaus zu generieren, folgt nunmehr der Sprung nach Berlin. Der Umzug folgt als logischer Schritt bereits zahlreichen längeren Aufenthalten in der „hässlich-schönen Krisenmetropole“ (wie es die deutschen Kollegen formulieren) – zuletzt, um „The Angst And The Money“ unter der Leitung von Moses Schneider (Beatsteaks, Tococtronic) aufzunehmen und zu finalisieren.
Sich in einer Zeit mit dem Phänomen Geld und seinen Folgeerscheinungen auseinanderzusetzen, in der der Kapitalismus seinem Schöpfer ganz offen seine böseste Fratze präsentiert, liegt einerseits nahe, erfordert andererseits aber auch Geschick und Mut, handelt es sich doch um einen gewagten Drahtseilakt zwischen Systemkritik und banaler Polemik.
Sänger und Texter Andreas Spechtl und seinen Kollegen ist diesbezüglich nichts abzusprechen. Alleine aus den elf Titeln des neuen Werkes lässt sich in Lichtgeschwindigkeit ein grandioses Abenteuer im Kopf zusammenreimen: Alles hin, hin, hin. Tür auf, Tür zu – und weg. Die Luft ist dünn. Ja, es stimmt. The Golden Handshake… Und Ja, Panik haben sich schon zuletzt als Großmeister des gekonnten Zitierens, des Zusammenklauens und Neuverschachtelns, des Wiener Schmäh und Grant erwiesen.
Irgendwie schaffen sie dabei das Kunststück, kein müder Abklatsch einer vergangenen Periode deutschsprachigen Musikschaffens zu sein, sondern deren Essenz - wie nicht zuletzt die deutsche Musikpresse befindet. Die spex etwa führte „The Taste And The Money“ auf Platz 3 ihrer Jahrescharts und bezeichnete es als „wichtigste deutschsprachige Platte seit Blumfelds L´Etat Et Moi“.
Dass hier generell Freunde der Künste am Werk sind, zeigt auch das Cover des aktuellen Opus: Der Wiener Maler Franz Aman hat es gestaltet – und es ist noch nicht fertig. Die auf der Vorabversion abgebildete „Zwischenstufe“ mit noch ausgesparten Details der Protagonisten dient übrigens auch als Titelbild für die im Juli erschienene 7“ „Alles hin, hin, hin / Fear Is A Man´s Best Friend“ – in zweierlei Hinsicht also ein Vorbote zum Album (mit dann vervollständigtem Bild).
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