Nichts, absolut gar nichts spricht gegen Abenteuer. Dieses hier ist, als stiege man in eine dunkle Höhle, ohne Taschenlampe, nur mit Teelicht und zwei Streichhölzern. Verwirrend wie auch faszinierend. Bedrohlich wie auch unverzichtbar. Denn da lockt diese Stimme, dieses sonore Alt, mit filigranem Vibrato, wie in Homers Odyssee die Sirenen, man muss ihr einfach folgen. Und kaum hat man sich in ihr und der Düsternis verloren, erklingt sie auch noch doppelt. „I’m the only one“ singt sie, süß und unnahbar, kühl und herzerwärmend zugleich. Das geht zusammen gar nicht? Doch, und wie.

Diese Stimme gehört einer jungen Sängerin aus Würzburg. Nicht Provinz und auch nicht Metropole. Vielleicht ja einer von vielen Gründen, weshalb lilly among clouds nun mit der ersten Single ihres Debütalbums, welches später in diesem Jahr erscheinen wird, ein unübersehbarer Hingucker gelungen ist. Denn die Rede ist hier nicht von einem recht schönen Song, der erfreulich weit aus dem Einerlei herausragt, es handelt sich vielmehr um ein exzeptionell herrliches Lied, in dem man sich verläuft wie in einem Labyrinth und am liebsten nie wieder hinausfände. Und zum Glück ist sie eine höchst eigenwillige Frau ganz offenbar, sonst hätten ihr die lauen Pop- Strategen ganz sicher zu deutschen Texten und dichter produzierten Sounds fürs leider ja längst flächendeckend formatierte Radio geraten. So aber erblickt der Hörer erfreulich viel Platz und Weißraum für seine eigenen Fantasien und Tagträume in dem von Udo Rinklin (Produzent des #1 Albums “Bleib unterwegs“ von Laith Al- Deen“) produzierten “The Only One“. Selten hat eine Newcomerin ihre ersten Duftmarken derart prägnant ausfallen lassen.

Es muss damit gerechnet werden, dass lilly among clouds demnächst mit Kolleginnen verglichen wird. Zumal sie selbst bereits Florence and the Machine, Sia, Lykke Li und A Fine Frenzy als Einflüsse benannt hat, am Ende allerdings nach keiner dieser höchst verdienten Stimmen klingt. Wenn sie denn überhaupt an Sängerinnen vor ihr erinnert, dann noch am ehesten, aber auch nur in Facetten an Fiona Apple, die mit ihren Alben ähnlich verführerische Werke schuf wie nun Lilly mit nur einem einzigen Song.

Notorische Skeptiker sollten nicht vorschnell urteilen, sondern sich Lillys auf ihrem eigenen Label erschienene, selbstbetitelte EP anhören. Wer darauf nicht findet, was uns bereits “The Only One“ ist, wird seinen Lebensweg überdenken müssen. Und das ist bierernst gemeint.